Dichtender Simplwirt, Münchner Kabarettlegende

4. Mai 1889 - 13. Januar 1955

Am 3. August 2017, zwei Tage nach ihrem 96. Geburtstag, verstarb Theodora „Dorli“ Diehl, die älteste Tochter von Theo und Julia Prosel.

Unsere Mutter, Großmutter und Urgroß­mutter hat unsere Familie reich beschenkt und wir sind froh, sie so lange in unserer Mitte gehabt zu haben.

Im materi­ellen Sinne war unsere Familie nie reich und schwere Zeiten gab es zur Genüge. Doch der ideelle Schatz, den uns Dorli als letztes Famili­en­mit­glied ihrer Genera­tion hinter­ließ, ist wahrlich unbezahlbar.

Die Geschichte unserer Familie wurde durch ihre Erzäh­lungen und dank ihres phäno­me­nalen Gedächt­nisses wieder lebendig. Nicht zuletzt haben wir auch ihr diese Homepage zu verdanken, denn ohne sie wäre das Inter­esse an Theo und unseren Vorfahren wohl nie in diesem Maße zum Vorschein gekommen.

Sie war es, die nicht nur ihre Erinne­rungen, sondern auch unzäh­lige Klein- und “Großig­keiten” über den Krieg und zahlreiche Umzüge rettete. Zu fast jedem Gegen­stand in ihrer Wohnung wusste sie eine Geschichte zu erzählen. Einen beson­deren Hang hatte sie zu Möbel­stü­cken aller Art, die sie mit großem Geschick reparierte, umbaute, teiler­neu­erte, strich oder gar einem ganz neuen Verwen­dungs­zweck zuführte. Not macht erfin­de­risch, das trifft im Falle von Dorli definitiv zu. Viele dieser Teile entwi­ckelten sich zu heißbe­gehrten Wander­mö­beln inner­halb der Verwandt­schaft. Sie sind sicher nicht viel wert, aber sehr stabil, und für uns ein kostbarer Teil unserer Familie. In den Schub­laden und Fächern dieser Möbel bewahrte Dorli Unmengen an Fotos, Famili­en­do­ku­menten, Tagebü­chern und Schrei­be­reien jegli­cher Art auf. Und nun berei­chern sie die unseren.

An Dorlis Beispiel lernten wir auch, wie leicht es scheinbar sein kann, auch mit wenig Geld gut auszu­kommen. Sparsam­keit war oft notwendig, um zu überleben, doch auch in besseren Zeiten behielt sie voller Überzeu­gung ihre Genüg­sam­keit bei. Wer schafft es schon, so gut wie nie Lebens­mittel wegwerfen zu müssen und selbst bei einem fast leeren Kühlschrank ein schmack­haftes Gericht zubereiten zu können?

Ihre unerschüt­ter­liche Zuver­sicht und ihre außer­or­dent­liche Kreati­vität halfen der Familie Prosel-Diehl durch jedes noch so tiefe Tal. Lange­weile war ihr fremd. Bis ins hohe Alter hinein behielt sie sich ihre Schaf­fens­freude bei und blieb stets offen für Neues. Auch diese Einstel­lung ist unbedingt nachah­mens­wert. Im stolzen Alter von 88 Jahren legte sie sich sogar noch ein Laptop zu, um den Anschluss an den Lauf der Zeit nicht zu verlieren. Nur das Autofahren gab sie aus Gründen der Vernunft auf, aller­dings war sie damals schon über 90 Jahre alt. Statt­dessen sauste sie mit ihrem Elektro­mobil namens „Schne­ckerl“ durch die Gegend.

Über Dorli gibt es noch viel mehr zu erzählen. Ein großer Teil davon ist in dem schönen Buch „Nur der Not koan Schwung lass‘n“ (Bestel­lung über info@theo-prosel.de) nachzulesen.

Liebe Oma, wir werden Dich in unseren Herzen behalten! Grüß uns alle unsere Lieben da oben. Der Theo wird schon dafür gesorgt haben, dass es auch im himmli­schen Simpl gute Schnit­zeln gibt. Und das Simpl-Ensemble freut sich sicher, Dich wieder dabei zu haben.

Sei stata unica! Ti ringra­ziamo di cuore per tutto, cara Nonna!

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