Dichtender Simplwirt, Münchner Kabarettlegende

4. Mai 1889 - 13. Januar 1955

Theo als Cäsar (c) Privatbesitz

Brettltraum

von Theo Prosel

Ich wäre so gern mal Publikum
Und möcht mich selber hören
Und redete ich noch so dumm
Ich würde mich nicht stören.

Käm ich heraus, so würd ich gleich
Mir tüchtig applau­dieren
Das kostet nichts und mir da drob’n
Täts furchtbar imponieren.

Mit meinem Nachbarn schwätzt’ ich erst,
Wenn ich da oben schweige
Damit ich mir als Publikum
Auch Kinder­stube zeige.

Und kommt einmal ein alter Witz,
so würd ich trotzdem lachen,
Denn ich weiß doch, wie schwer es ist
Den neuen Witz zu machen.

Und geh ich von der Bühne ab
So klatscht ich in die Hände
Denn erstens freut ich mich halbtot,
Weil meine Pflicht zu Ende.

Und zweitens möcht’ den andern ich
(Das soll man stets im Leben)
Auch wenn ich selber Publikum
Ein gutes Beispiel geben.

Aus “Simpl-Briefe” – wahrschein­lich Ausgabe April 1936
Heraus­geber: Theodor Prosel

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